Wochenende 14. - 16. Oktober

Freitag:

Der Freitagabend begann mit einer Odyssee im Auto und zu Fuß durch Atlanta Downtown auf der Suche nach dem geheimen Konzert von „The Roots“. Nach vielen Irrwegen und Enttäuschungen ist unsere kleine Studentengruppe schließlich zu dem Entschluss gelangt, dass es keinen Sinn mehr macht weiterzusuchen.

Deshalb beschlossen wir einen der Wolkenkratzer, die für Touris geöffnet haben zu besteigen. Vor dem Fahrstuhl in das vermeintliche Wolkenschloss befand sich eine Rezeption, dahinter sitzend eine seriös wirkende Amerikanerin im Kostüm, neben ihr ein großer, breiter Polizist, der lachend mit ihr quatschte.

Ohne mit der Wimper zu zucken verlangte die freundliche Frau von jedem von uns $8.00 für die Benutzung des Fahrstuhls, der uns die über 220 Meter hinauftransportieren sollte! ACHT DOLLAR nur fürs hochfahren!

Das war uns armen Studenten in dem Moment viel zuviel. Als uns aber 5 Minuten später das Hardrockcafe gegenüber androhte, dass erst in ca.60 Minuten genügend Sitzplätze für uns als Gruppe frei werden würden, waren wir zu allem bereit, um aus dem Abend wenigstens noch irgendetwas zu machen. Sogar $8.00 für einen Blick über die City schien auf einmal das reinste Schnäppchen zu sein. Also gingen wir wieder zurück in den Tower zu der besagten Rezeption. Zu unserer großen Verwunderung war weder von der guten Frau, noch dem Cop etwas zu sehen. Betrüger? Oder hatten die beiden einfach besseres zu tun? Wir werden es wohl leider nie erfahren…

So stiegen wir in den Fahrstuhl, fuhren dutzende Etagen außen am Gebäude hoch und bewunderten eine ganze Zeit lang das herrliche Panorama, dass Atlanta bei Nacht aus gefühlten 500 Metern bot. Hilfreich zum Zeitvertreib waren auch die rundherum angebrachten Ferngläser, mit denen es möglich gewesen sein soll, selbst kleinste Details in Fenstern gegenüberliegender Wolkenkratzer zu erkennen […]

Von oben fällt gar nicht auf, dass Downtown abends so gut wie ausgestorben ist und alle 50 Meter ein Cop patrolliert!

Anschließend haben wir den Abend gemeinsam im Hooters um die Ecke für ein paar Bierchen ausklingen gelassen, woran die Mädels offenbar weniger Spaß daran fanden als die männlichen Kollegen.

Samstag:

Der nächste Morgen machte das geplante Aufstehen zunichte, denn Andreas, Marc und ich hatten eine Wanderung auf den Stoney Mountain geplant. Den größten Granitfelsen der USA.

Hier ein paar Bilder

Nach dem wandern haben wir uns „kurz“ auf einer angrenzenden Liegewiese ein Nickerchen gegönnt. Als ich aufwachte machte ich Dr. Soldberg alle Ehre. Und das Mitten im Oktober… :P

Die geplante Rückfahrt am späten Nachmittag endete vorerst in einer kleinen Gaststädte mit eigener Bäckerei, deutschem Ursprungs, wo gerade auf offener Strasse Oktoberfest gefeiert.

Facts:

Eine liebevoll gestaltete Show traditioneller deutscher Volkstänze von 50-60 Jährigen
Das Publikum bestand aus weniger Personen als die Tanzgruppe
Spatenbier wurde in Weizengläsern ausgeschenkt
Weihensteffandafür in Pilsgläsern (laut Karte Weinstefan)

In dem Gebäude neben der Bayrischen und Deutschen Flagge, eine Reichskriegsflagge

Alles in allem noch mal ein paar schöne Stunden, in denen ich viel über die USA, aber auch meine Heimat gelernt habe.Neben dem spektakulärem Plattlern in Synthetik-Hosen und dem Müllertanz mit Schlumpfhüten war vor allem der westfälische Bauerntanz einen Blick wert. Was an tänzerischem Können unseren Bayern Andreas zur Weißglut getrieben hat, machte die Truppe durch ihre liebenswürdige Art mehr als wett. Am Ende tanzten alle zusammen (also auch die Gäste) den Ententanz. Da sich das ganze direkt an einer Durchgangsstraße an helllichtem Tage abspielte hatte auch der angrenzende Verkehr noch etwas davon.

Kaum zurück in der Wohnung, stand auch schon der Besuch des 1150 an, einem noblem Club in dem Amusement-Viertel Buckhead. Schon vorher rätselten einige wie der Club zu diesem seltsamen Namen kam.

Wenn man bedenkt, dass in ATL jede 2. Strasse entweder „Peachtree-Boulevard, Peachtree-Street, Peachtree-Drive, Peachtree-Avenue, New Peachtree-Boulevard, Peachtree-Industiral-Boulevard, oder ähnlich heißt, umliegende Gebirge Namen wie Stoney Mountain oder Rocky Mountain (ok, die sind etwas weiter weg, aber trotzdem!) tragen und unsere Lieblingsbedienung im Hooters blond ist und sich selbst Barbie nennt, ahnt man, dass das Einfallsreichtum der Amis bei der Namensgebung gewissen Grenzen unterliegt.

Vermutlich wisst ihr jetzt schon warum der Club 1150 heißt!? Falls nicht hier ein kleiner Tipp: Es hat etwas mit der Hausnummer zu tun. Direkt gegenüber lag übrigens ein Club mit dem schönen Namen 1135! :D

Dafür konnte der Club an sich mehr als überzeugen. Hier nur die Highlights:

Außenareal mit Sofas, Pool, DJ und überdachten Logen.

Ein Afro-Americaner auf den Örtlichkeiten, der jedem nach erfolgreichem Geschäft den Wasserhahn aufdreht, Seife auf die Handflächen gibt, mit einem Pinsel imaginäre Schuppen von den Schultern pinselt und anschließend Trockentücher reicht…. Und ich dachte schon, dass der Walmart krass sei, wo einem beim betreten ein Einkaufswagen angereicht und beim bezahlen an der Kasse, der Einkauf komplett eingetütet wird…

Langsam wird klar, weshalb die USA eine deutlich niedrigere Arbeitslosenquote haben, als z.B. Deutschland.

Abgesehen davon war der Club geprägt von seinen 2 Animateusen, die die ganze Zeit durchgängig auf Lautsprechern stehend vor sich hin wackelten, seiner supereleganten theater-gleichen Architektur und wildem Gefeiere der Masse. Die Amis feiern nur zwischen 0 und 3 Uhr in den Clubs, aber wenn dann richtig! Die Musik variierte zwischen chilligem House und Trance. Leider sehr monoton. Witzig waren allerdings die Einlagen des Publikums: Es wurde phasenweise zu House geklatscht als würden gerade die Wildecker Herzbuben trällern. Kaum zu fassen, aber wahr! Zwischenzeitlich musste ich wieder an die illustre Tanzgruppe von der Deutschen Bäckerei denken… Einige Gemeinsamkeiten scheint es doch zwischen Amerikanern und Deutschen zu geben….


Sonntag:

Schlafen, erholen, telefonieren, Basketball spielen.

18.10.06 07:11

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